Allgemein · Hiking, Wandern, Unterwegs sein

Wanderung Nummer 13: Rund um den Püngelbach

Ach, es gäbe soooo viele Wandermöglichkeiten in der Eifel . . . aber der Winterbus ist eine seltene Angelegenheit. Es ist nicht einfach, der ASEAG zum Trotz auf Wanderkurs zu bleiben.

Da sind die freundlichen Damen des Heilsteinhauses in Einruhr weitaus hilfreicher. Ich bin inzwischen im Besitz einer „richtigen“ Wanderkarte – die zu lesen mir ähnlich schwer fällt wie der Stadtplan von Vancouver – und diverser kleiner und eher grob gezeichneter Wanderfaltblätter, die meinem wenig ausgeprägten Blick für die feinen Linien und Striche der erwähnten Wanderkarte deutlich eher entgegenkommen. Vielleicht liegt es auch an meinen Augen. Eine fette rote Linie, die sich in größeren Abständen mal in die eine, dann in die andere Kurve legt, ist für mich genau richtig. Wenn die rote Linie dann auch noch um einen blauen See führt, kann ich bei Fehlinterpretationen nur ins Wasser fallen. Und das versuche ich zu vermeiden.

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Die „Püngelbach“-Tour führt mich erst mal wieder raus aus Einruhr, über die Straße rüber und dann in den Wald. Schön hier. Nur der Püngelbach fehlt. Püngelbach. Was ist das für ein Wort? Als Kind kannte ich den Ausdruck „Pöngel“. Das war eine Art Bündel, ein Haufen von irgendwas. Bestimmt gibt es eine logische Erklärung, ganz sicher hat sich ein kluger Mensch etwas bei der Wassertaufe gedacht. Das online-Wörterbuch der „Westmünsterländischen Mundart“ gibt mir quasi Recht: Im Püngel konnte man mit einem Bündel voll Kleinkram durch die Lande ziehen, etwas verkaufen oder auch schmuggeln. Aber was schmuggelt ein Bach?

Ich klettere einen kleinen Hügel hoch, gucke runter auf den Ort, klettere höher und bin dann im Wald. Hinter mir folgt zwar nicht in Sicht- aber leider in Hörweite eine Vierergruppe junger Menschen, von denen eine ständig redet. Es dauert lange, bis ich außer Hörweite bin. Erst dann fange ich an, die Runde zu genießen – obwohl der Püngelbach immer noch durch Abwesenheit glänzt.  Da es keine Möglichkeit gab, mich zu verlaufen, nehme ich das fehlende Bachplätschern erstmal in Kauf.

Es ist kalt, grau und feucht heute. Aber es leuchtet grün. Habe ich mich hier schon als Moos-Fan geoutet? Ich kann mich gar nicht sattsehen. Moospolster auf Baumstämmen, auf Steinen, Sternmoos, Laubmoos, Moosteppiche.

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Ich sollte mich mal wieder mit der Moosbiologie befassen.

Manche sind zum Niederknien schön. Die Eifel ist katholisch.

Vor dem ersten Graupelschauer des Tages rette ich mich auf die Veranda einer Jagdhütte. Stilecht wacht ein Hirschgeweih über der Eingangstür.  Das Thermometer geht gegen Null. Der Himmel ist schneegrau. Mein Wetter.  Es graupelt zu wenig, um weiß zu werden. Aber als schneehungrige Städterin begrüße ich jedes einzelne Körnchen und freue mich.

Die Jagdhütte ist der Inbegriff von Biederkeit. Ich merke, dass ich mich nicht wohl fühle und weiter muss. Hier könnte sich gut eine düstere Geschichte abspielen, in der ich allerdings nicht für die Hauptrolle engagiert werden möchte. Und schon gar nicht für die Nebenrolle: das Opfer. Morbide Gedanken.

Die Einsamkeit ist es nicht, die mich stört. Ich habe keine Angst, alleine durch den Wald zu stapfen. Aber die Hütte ist nicht „Natur“. Sie ist Menschenwerk. Weg hier.

Wenn ich so im Nachhinein meine „schrägen“ Bilder betrachte, kann ich nicht mehr wirklich nachvollziehen, wieviel Freude ich beim Laufen durch den grauen Tag hatte. Viele kleine Schönheiten, die ich am Wegesrand entdecke, lassen sich mit meinen rudimentär vorhandenen fotografischen Fähigkeiten nicht ablichten. Schönheit liegt im Auge des Betrachters und ein zwischengeschaltetes Medium nimmt einiges von der Lebendigkeit weg, die beim näheren Hinsehen deutlich wird oder beim vorsichtigen Anstubsen mit dem Fuß eine Sporen- oder Staubwolke provoziert. Selbst in diesen feuchten Tagen.

Manchmal spiegelt sich ein Baum in einer Pfütze und macht erst auf diese Weise auf sich aufmerksam.

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Ich bin mir sicher, dass ich viele Dinge gar nicht entdecken würde, wäre ich nicht alleine hier. Nie fühle ich mich einsam. Immer lebendig. Obwohl die Natur um mich herum sich abwendet. Ich höre keinen Vogel, keine Maus huscht vorbei, kein Reh kreuzt meinen Weg. Wenig Menschen.

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Und da ist er endlich, der Püngelbach. Plätschert vor sich hin und nimmt höchstens ein paar Buchenblätter mit.

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