Allgemein · Hiking, Wandern, Unterwegs sein

Wanderung Nummer 16: Struffelt im Schnee

Ich habe Ferien. Und gute Vorsätze. Einer davon ist: einen Tag arbeiten, einen Tag ausruhen oder lesen oder schreiben oder . . . wandern.

Wochentags fahren die Busse recht häufig in die Eifel und so mache ich mich – zugegebenermaßen spät, aber gut gelaunt – kurz nach elf auf in Richtung Bushaltestelle. Dort warte ich auf den Bus. Der kommt nicht. Da ich sowohl ein phantasievoller als auch ein geduldiger Mensch bin, denke ich über all die Möglichkeiten nach, die dazu führen könnten, dass ein Bus verspätet ankommt. Mir fallen sehr viele Möglichkeiten ein, denn ich denke sehr lange nach. Eine halbe Stunde, um genau zu sein. Nach dieser halben Stunde gibt es nur noch eine Erklärung: Dieser Bus kommt gar nicht. Kein Problem, laut Plan ist jetzt der nächste dran. Zehn Minuten und gefühlte zehn „falsche“ Busse später gebe ich auf. Die ASEAG ist ein würdiger Gegner.  Sie versucht konsequent, mich davon zu überzeugen, dass Busse in die Eifel im Winter Zeit- und Geldverschwendung bedeuten. Da will im Winter niemand hin. Nur ich.

Ab nach Hause. Wieder rettet mich das Carsharing. Innerhalb von zehn Minuten sitze ich im Fiesta. Allerdings ist es jetzt Mittag und die Tour ab Simmerath, die ich mir für heute vorgenommen hatte, kann ich vergessen. Sie ist zu lang, um vor Einbruch der Dunkelheit das Auto wiederzufinden. Da fällt mir meine Wanderstrecke aus der Frühzeit ein: der Struffelt. Wer weiß, ob ich ohne die Struffelt-Erfahrung überhaupt so oft losgezogen wäre.

Also fahre ich nur bis Rott. An der Abzweigung vor der Himmelsleiter sieht es so winterlich weiß aus, dass ich im Nu versöhnt bin mit der Wander-Notlösung. Ich bin und bleibe ein Winterkind.

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Und da ich weiß, was mich erwartet, bin ich voller Vorfreude. Zuletzt war ich bei schönem Herbstwetter hier. Im Miniröckchen mit Turnschuhen. Mit Cailladou und Trauben im Rucksack. Heute sind es Weihnachtskekse und Schokolade.

Ich bin hier übrigens nicht alleine unterwegs. Es gibt noch mehr Menschen, die das  ausnahmsweise mal trockene Winterwetter nutzen wollen, um Weihnachtsstress und -speck loszuwerden.  Vermutlich haben sie keine Schokolade im Gepäck. Aber wie fast immer bin ich die einzig Alleinreisende. Und wie so oft denke ich, dass die einsame Wanderung die beste ist. Es hat etwas mit Meditation zu tun.

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Mir reicht es schon, im Vorübergehen den Austausch von Belanglosigkeiten in Form von Knödelrezepten mit anhören zu müssen, die in der Struffelt-Stille an bedauernswerte Mitwanderer weitergegeben werden. Mitten im Wald.

Ich laufe am kleinen See vorbei, der – fast zugefroren – silbergrau und still ist. Mir kommt Kate Winslet in den Sinn, die in dem Film, den ich gestern im Kino gesehen habe, in ein schneebedecktes Eisloch einbricht. Natürlich wird sie gerettet, aber der Schreck sitzt tief. Allein der Bilder wegen hat sich mein Kino-Besuch gelohnt: „The Mountain between us“ ist ein Film „Zwischen zwei Leben“.

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Viele Mitwanderer habe ich nicht, die meisten gehen ohnehin nur ein Wegstück und nicht die ganze Route. Aber wenn ich sie von weitem höre, versuche ich, den menschlichen Tönen zu entkommen: Meist hilft schneller sein, manchmal ist Stehenbleiben die bessere Alternative.

Ich weiß, dass irgendwann ein breiterer Bach im Weg liegen wird, und gehe routiniert und ohne auf die Zeichen achten zu müssen, drumherum. Auch dieses Mal spüre ich den Plätscherstress. Vielleicht kriege ich irgendwann mal raus, warum laute Wassergeräusche mir Angst machen. Vielleicht, weil sie alles Andere übertönen?

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Die Farben sind heute anders. Das Weiß des Schnees lässt manches bunter aussehen als es ist. Mir fällt auf, dass der kleine Bach, neben dem ich eine Zeitlang herlaufe, in einem gelben Bett fließt. Lehm und Ton.

An manchen Stellen tut mir der Waldboden Leid. Dort, wo ich vorsichtig durch Matschepampe waten muss, waren immer Maschinen am Werk. Sie reißen den Boden auf, und wenn er bluten könnte, wäre hier Rot die vorherrschende Farbe.

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Dann klart es auf. Der Himmel wird erst hellgrau, dann blau. Diese Farbe gab es länger nicht.

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Das schönste Stück ist das Stege-Stück durch’s Venn. Im Herbst war es schauriger hier, heute sind die Moorlöcher und -Leichen schneebedeckt: die Spinnenlor, der Gräberknecht, die schaurige Margret haben Ruhe.  Ein junger Mann, der einzige Alleinreisende außer mir, steht still und betrachtet die Landschaft.

Wie gut, dass ich heute hier gewesen bin. Zusammen mit der Sonne, die sich auf den Weg  macht, der Nacht zu weichen. Es ist fast halb Fünf, als ich am Auto bin. Gutes Timing.

Aachen - Aaken - Aix la Chapelle · Allgemein · Hiking, Wandern, Unterwegs sein

Wanderung Nummer 15: Die Kalltal-Keltzerbach-Route . . .

. . . oder: Auf der Suche nach der schwarzen Zwölf.

Ich wage es noch mal. Meine Sehnsucht nach Schnee und weihnachtlichen Wintergefühlen ist einfach zu groß.  Möglicherweise wiederhole ich den immer gleichen Fehler, aber das wird mir in der Schule schließlich auf jeder Deutschheft-Seite  konsequent vorgelebt. Ich kapere also einen Cambio-Fiesta und begebe mich – obwohl es anfängt zu schneien oder vielleicht auch gerade deshalb – zum zweiten Mal nach Lammersdorf, um die Tour mit der Nummer 12 komplett zu laufen. Und während ich über die Monschauer Straße raus aus der Stadt fahre, ändert die Welt ihre Unfarbe: Aus Dunkelgrau wird Hellgrau, aus Hellgrau wird Weiß. Eigentlich könnte ich das Auto sofort hier am Aachener Wald stehen lassen und los laufen. Denn auch hier ist Winter die vorherrschende Jahreszeit. Aber auch dieses Mal ist Selbsterkenntnis nicht der erste Weg zur Besserung: Einmal auf dem Holz-Weg, kehre ich nicht mehr um.

Im Nachhinein klopfe ich mir allerdings auf die Schulter: Als ich am Nachmittag die Monschauer Straße in umgekehrter Richtung fahre, ist die Welt rund um den Aachener Wald wieder dunkelgrau. Kein einziges weißes Fleckchen in Sicht. Was macht das schon? Ich habe bekommen, was ich wollte: einen schneeweißen Sonntag.

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Und einen stillen dazu. Denn – natürlich – läuft außer mir niemand bei diesem Wetter hier herum.

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Seltsamerweise kommt mir aber fast die ganze Strecke über jemand entgegen. Ich sehe nur seine Fußspuren – verkehrt herum. Den Menschen dazu sehe ich nicht. Dafür aber das hier:

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Ein Bär. Ganz eindeutig. Auf einem Bein.

Ich laufe auf zwei Beinen weiter und achte erstmal darauf, dass mir der Schnee nicht in die Wanderschuhe schwappt. Meine neue Wanderhose ist winddicht, aber irgendwie zu kurz für meine Socken. Brauche ich jetzt etwa Kniestrümpfe? Oder „Longsocks“? Es dauert nicht mehr lange, und mir wird ein unverbindliches Angebot für eine lebenslange Mitgliedschaft im Eifelverein ins Haus flattern. In der Rurtal-Bahn würde ich jedenfalls nicht mehr als völlig unerfahren auffallen.

Jetzt aber bin ich allein. Und ich finde es HERRLICH. Schnee knirscht unter meinen Füßen. Ich bin davon überzeugt, dass es auch andere Geräusche gibt, für die meine Ohren aber nicht empfindlich genug sind. Sie freuen sich über die Stille.

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Ich treffe auf den „Westwall“, der mir seit meiner Kindheit unter dem Namen „Höckerlinie“ bekannt ist, weil mein Vater als ehemaliger Bunker-Zerstörer liebend gerne seinen Bagger dazu benutzt hätte, jedes einzelne dieser Panzer aufhaltenden Höckerchen aus dem Boden zu reißen. Damit wäre der Westwall – oder zumindest Teile davon – endgültig Geschichte gewesen. Das ist er auch heute – aber anders: „Der Westwall, entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches (bei den Alliierten auch unter dem Namen Siegfried-Linie bekannt), war ein über ca. 630 km verteiltes militärisches Verteidigungssystem, das aus über 18.000 Bunkern, Stollen sowie zahllosen Gräben und Panzersperren bestand. Er verlief von Kleve an der niederländischen Grenze in Richtung Süden bis an die Schweizer Grenze. Im Lauf der Zeit sind innerhalb der betonumfassten Flächen  der Höckerlinie kleine faszinierende Biotope entstanden.“ Die habe ich im Sommer auch schon im Aachener Wald entdeckt. Grün sind sie dort geworden, die alten grauen Höcker. Moosbezogene Schönheiten.

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So mit Schnee bedeckt wirken sie wie kleine, von Kindern (oder zeichnerisch begabten Menschen wie mir) gemalte Tannenbäumchen. Sehr unschuldig.

Ich stapfe weiter. Ein wenig kenne ich mich hier schon aus. Das ist auch gut so. Denn die schwarze Zwölf auf schneeweißem Grund ist in dieser Winterwunderwelt nicht immer leicht zu finden. Einige Male muss ich nach dem kleinen Schild fahnden, Schnee weg wischen, um die Zahlen freizulegen.

Neben mir plätschert es träge. Fließt kaltes Wasser langsamer als warmes? Ich werde meine Physiklehrer-Kollegen befragen müssen. Oder reicht mir die Antwort bei „gute frage.net“ aus? Dort hat jemand vor 8 Jahren auf eine ähnliche Frage geantwortet, dass Wasser bei 0 Grad am langsamsten fließt. Klingt irgendwie logisch. Darunter friert es schließlich zu Eis. Und Eis fließt nur im Sommer, wenn ich es nicht schnell genug von meinem „Hörnchen“ schlecke.

Nicht mal mit seinen Fragen ist man alleine.

Aber hier bin ich heute die Einzige, die dem langsamer werdenden Bachplätschern lauscht.

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Wo ist sie denn nun, die Talsperre, von der ich – seit zwanzig Jahren etwa zwanzig Kilometer weit weg wohnend – vorher noch nie gehört habe? Dem Bach kann ich schlecht folgen. Zumindest jetzt noch halte ich mich an die Schwarze Zwölf. Irgendwann werde ich allerdings mitten in einem Waldstück und vor der Frage stehen, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, wenn ich schildergläubig durch das mir im Weg liegende Fließgewässer wate. Und das auch noch hügelabwärts. Tatsächlich, da ist sie wieder, die „Schwarze Zwölf“. Hinter dem Fließgewässer. Ich muss da durch. Zum Glück habe ich meine Schuhe vorher eingesprüht.

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Ein bisschen unheimlich ist mir hier zumute. Es ist nicht so kalt, dass ich im Frühjahr, wenn normale Menschen hier herumlaufen, als Ötzi-Weibchen auf dem Tisch eines bio-historisch interessierten Pathologen aufgetaut würde. Wahrscheinlich würde ich vorher ohnehin das Interesse des einbeinigen Bären auf mich gezogen haben. Es bleibt mir nichts anderes übrig: Ich suche mir einen Stock, auf den ich mich stützen kann. Ich überwinde meine Angst und das winzige Fließgewässer. Und denke daran, dass ich während meines Biologie-Studiums einen Kurs in „Limnologie“ belegen und mir eigens dafür Gummistiefel kaufen musste. Da stand ich nun, mitten in einem Aachener Bach,  umgeben von offensichtlich begeisterten Kommilitonen, und drehte Steine um, unter denen sich irgendwelche – hier kann ich’s ja sagen, liest ja keiner – eklige Egel oder wabbelige Würmer versteckt hielten, die ganz bestimmt nicht von mir gefunden werden wollten. Ich habe diesen Zweig der Wissenschaft nicht weiter verfolgt, sondern mich den „Staatenbildenden Insekten“ zugewandt. Den Waldameisen und fleißigen Bienen.

Dafür verfolge ich jetzt zur Abwechslung mal einen richtigen Weg, auf den ich als Belohnung für meinen Mut gestoßen bin.

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Das Leben kann so einfach sein.

Und da ist sie, die Kalltalsperre. Eisgrau schimmert sie durch die kahlen Bäume. Ich hole meine winzige Wanderkarte heraus und stelle nach längerem Hinsehen, nach Drehen und Wenden und noch längerem Grübeln fest, dass ich den Weg ab Lammersdorf in umgekehrter Richtung genommen habe. Macht aber nichts. Verkehrt herum ist auch schön. Allerdings erklärt es die mir entgegenkommenden Fußspuren.

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Hier, auf dem Weg, ist es irgendwie heimelig.  Ich treffe auf eine Art „Reihenhaus-Siedlung“. Die Häuschen sehen alle gleich aus. Und sehr ordentlich deutsch. Die geraden Hausnummern rechts, die ungeraden links. Ob die Bewohner Zahlen lesen können?

Ein Stückchen laufe ich an der Talsperre entlang. Und entdecke tatsächlich Hinweise, die  auch auf der Zwölfer-Karte eingezeichnet sind. Es ist noch ein weiter Weg bis zum Ziel.

Ich lande wieder im Wald. Es geht aufwärts, raus aus dem Kalltal. Ich gerate ins Schwitzen. Oben angekommen teile ich in einem der seltenen Netz-Momente meine Freude über die um mich herum zu sehende Pracht meiner Freundin mit, mit der ich am späten Nachmittag auf dem Aachener Tivoli zum Weihnachtssingen verabredet bin. Immerhin weiß sie jetzt, wo man den Suchtrupp hinschicken müsste, wenn ich nicht pünktlich zum „Oh du Fröhliche“ auf den schwarz-gelben Rängen erscheine. Weg mit dem Handy, weg mit der Zivilisation. Ich bin wieder allein. Das Netz ist verschwunden. Der Nebel lichtet sich.

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Menschliche Spuren sind selten. Tierische auch.

Noch eine ganze Weile wandere ich durch die weiß gewordene Welt. Erst in Ortsnähe von Lammersdorf treffe ich auf meine Spezies, den Schlitten im Schlepptau.  Das Auto bleibt nicht auf dem Schneeparkplatz stecken, die Straßen sind frei geräumt. Ich komme rechtzeitig zum Singen wieder in Aachen an. Vorweihnachtlicher kann ein Tag nicht sein.

 

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Wanderung Nummer 14: Der Kalltal-Weg

. . . oder: Der Versuch zählt!

Heute boykottiert die ASEAG meine Wanderambitionen: Eher zufällig stelle ich fest, dass die in der Aachener Zeitung schon heftig diskutierte und ziemlich negativ bewertete Fahrplanänderung auch „meine“ Linie SB63 betrifft. Und zwar seit heute. Na super! Ein Auto muss her. Auf das Carsharing-System ist wie immer Verlass: In nicht mal einer Minute habe ich „mein“ Auto gebucht.

Der Wetterbericht ist – je nach Sichtweise – vielversprechend bis furchtbar. Schnee (jaaaa!) und stürmische Zeiten (uppps! Da fliegen die Äste, und die Bäume kippen um!) werden vorhergesagt. Soll ich? Soll ich nicht?

Da ich den letzten Sonntag – angesichts der für gestern geplanten Renovierungsarbeiten in der Wohnung, die ich eigentlich in Kürze verlassen wollte – im Schwedischen Möbelhaus statt in freier Natur verbringen musste – immerhin: Holz gibt’s da auch – bin ich gnadenlos. Was machen mir schon ein paar Schneeflocken aus? Wie alle Winterkinder liebe ich Schnee. Und es gibt ihn hier immer seltener. Im letzten Winter habe ich kein Flöckchen gesehen. Zumindest erinnere ich mich nur an „uselige“ graue Stadt-Tage.

Das wird heute ganz anders. Frohen Mutes wandere ich – erste Aachener Flocken in Sicht – zum Autoparkplatz und fahre los nach Lammersdorf. Dort nämlich startet die fast zwölf Kilometer lange „Kalltal-Keltzerbach-Route“, die ich mir – gegen jegliche Vernunft – für heute vorgenommen habe.

Unterwegs schneit es heftig. Das Auto-Außen-Thermometer vermeldet minus zwei Grad. Der Schnee bleibt liegen. In Nullkommanix sind die Straßen weiß. Und ich bin mitten drauf! Seit wie vielen Jahren bin ich nicht mehr auf einer Schneedecke gefahren? Kann ich das überhaupt noch? Bin ich zu schnell unterwegs? Oder eher zu langsam? Was will der Typ mit dem dicken Jeep hinter mir? Ich ignoriere ihn und schleiche weiter. Lieber lebend als gar nicht ankommen. Oben, an „Fringshaus“, am Ende der „Himmelsleiter“, ist richtiger Winter. Das war es doch, was ich wollte. Oder?

Irgendwie schaffe ich es bis Lammersdorf. Ich parke an der Kirche und habe erst mal Hunger. Dann suche ich das Wanderroutenschild mit der Nummer 12 und stapfe los. Ganz Lammersdorf ist ein Bilderbuch-Weihnachtsdorf.

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Ich denke an Astrid Lindgrens „Bullerbü“. Die pure Kindheitsidylle. So will man als Kind leben. Davon träumt man als Erwachsener. Man fährt nach Schweden und besucht das Filmdorf. Man bestaunt die roten Holzhäuschen und fragt sich, ob die Menschen, die dort wohnen, glücklicher sind als man selbst. Man drückt sich die Nasen platt an Immobilien-Schaufenstern und surft durchs weltweite Netz, um nach Häusern am schwedischen See zu suchen. Und dann läuft man durch die Eifel – keine halbe Stunde entfernt von „zu Hause“ – und findet das alles in nächster Nähe. Und nun? Ist „Smaland“ besser als die Eifel? Zumindest klingt es schöner.

Der Weg führt mich aus dem Ort heraus, und hier ist es richtig Winter. Es sieht wunderschön aus, zumindest das, was ich durch die Schneeflocken erkennen kann. Hui! Hier pfeift es ganz schön. Der Wind pustet mir kleine Eiskristalle ins Gesicht. So müssen sich Himalaya-Bergsteiger fühlen. Vor allem meine Beine in den durchlöcherten Jeans fühlen sich so an, als seien Erfrierungen der nächste Schritt in Richtung Wahnsinn. Natürlich bin ich alleine. Meine Füße stapfen durch jungfräulich reinen Schnee.

Manchmal sinken sie auch darin ein. Schneeverwehungen. Die bisher theoretisch gewusste Bedeutung der Eifeler Buchenhecken wird mir praktisch klar, als eine davon sich zwischen mich und die Ebene schiebt: Der Wind und damit die kleinen Nadelstiche ins Gesicht werden ausgeschlossen. Ich atme durch.

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Was ich von Anfang an geahnt habe, verdichtet sich nach und nach zur Gewissheit: Hier heute alleine herumzulaufen, ist vollkommen idiotisch! Ich merke, dass ich ängstlich werde. Das hab ich schon öfter festgestellt: Es liegt an den Geräuschen. Auch, wenn sie noch so schön klingen, krampft sich eine winzige Magenecke zusammen. Lautes Bachgeplätscher, Windwehen, Schneekristallflirren, Baumächzen. Natürlich sind manche Sorgen berechtigt. Ich möchte ungern unter einem herabfallenden Ast enden. Noch eine Viertelstunde. Dann entscheide ich mich für Fortsetzung oder Abbruch.

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Es ist schön hier. Keine Frage. Ich brauche keine Sonne, um loszulaufen. Schwarz, weiß, grau hat so viele Nuancen. Es gibt so wenige Gelegenheiten, erste Fußspuren zu hinterlassen.

Ein wieherndes Wesen begrüßt mich. Vermutlich hält es mich für eine Futterüberbringerin. Tut mir Leid, ich bin nur eine Wandersfrau, die nicht ganz bei Trost ist. Die nicht nur die Aachener Verkehrsbetriebe sondern auch das Wetter bezwingen will. Die noch nicht verstanden hat, dass manchmal ein bisschen Demut angebracht ist.

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Noch ein Stückchen. Ich überquere eine Landstraße. Der Schneepflug fährt vorbei und verwandelt die weiße Wattewelt in schmutziges Grau. Wie so oft auf meinen Wanderungen der letzten Wochen komme ich an einem Wegekreuz vorbei. Die Gegend hier ist christlich, katholisch, geprägt. Das fällt mir immer wieder auf. In der Stadt spielt das alles keine Rolle mehr. Da ist der Dom, die schönste Kirche der Welt, eher Weltkulturerbe als Gotteshaus, eher Touristenmagnet als Gebetsort. So ist es nun mal. Man mag darüber denken, was man will. Manchmal bedauere ich es, meist nehme ich es hin.

Ich gebe nicht schnell auf. Aber hier und heute ist es angebracht. Ich drehe um. Meine Fußspuren, die einzigen, sind schon zugeweht. Wieder im Ort, ist der Unterschied zwischen Straße und Gehweg nicht mehr zu erkennen. Winterwunderwelt. Die Kirchenglocken läuten den Mittag ein. Die Kirchentür ist nicht abgeschlossen. Die Krippe schon aufgebaut, die Fenster leuchten, niemand ist hier. Nur ich. Kein Klo. Mir bleibt nur die Kneipe von gegenüber. Die Herren am Kartentisch nehmen mich gar nicht wahr. Aber ich bin willkommen.

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Der Weg zurück nach Aachen ist ein kleines Abenteuer. Es war kurz. Aber schön. Die Route gefällt mir, ich werde wiederkommen. Ich fürchte, ich brauche eine Wanderhose.

Und während ich hier schreibe – im frisch renovierten Zimmer  – geht in Aachen der Schnee schon wieder in Regen über.

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Verbindungen II

– Wolfgarten – Vancouver-Island –

Auf meiner Wanderung Nummer 10 – von Gemünd und wieder zurück – finde ich diese Holzskulptur. Ein grauer, aber freundlicher Kappenträger.

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Noch kein Totempfahl. Aber bestimmt steckt auch hier eine Geschichte dahinter. Wirklich weit reisen muss ich nicht, um besondere Begegnungen zu haben.

 

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Wanderung Nummer 10: Gemünder Runde

War ich jemals in Gemünd? Ich glaube nicht. Auch dieser wirklich hübsche Ort lag bisher außerhalb meiner gedanklichen Reichweite. Gemünd –  das liegt in der Eifel. Eifel – das bedeutet Plastikstühle, herbstliche Dekoration aus Jutebändern und Plastikkürbissen, forsche Seniorenwandervereine, Jugendherberge. „Mama“, sagt meine älteste Tochter, als ich ihr von meiner heutigen Wanderung berichte, „da war ich auf Klassenfahrt“. Eben! Sag ich doch!

Ich war auch schon öfter „auf Klassenfahrt“: in Bad Aachen (ja, tatsächlich. Es gab ein Jahr, da waren die Jugendherbergen in der Eifel ausgebucht). In Bad Münstereifel. In Bad Ems. In irgendwelchen Käffern, an deren Namen ich mich auch nach großer Anstrengung nicht erinnern kann. Am Gardasee. Aber das ist eine andere Nummer.

Heute fährt die „SB63“ zum letzten Mal.  Die Wandersaison ist zu Ende. Die Rucksäcke werden geleert, die Stöcke in den Keller gestellt, die Wanderschuhe geputzt und eingesprüht. Das jedenfalls ist die Meinung der ASEAG. Ich habe mir fest vorgenommen, sie zu überprüfen und zu widerlegen. Frostige Tage, Raureif auf den Wiesen und den unter Buchenblättern verborgenen Wegen, Nebelschwaden und im besten Fall Schneeflocken werden doch echte Eifelvereinmitglieder und solche, die es wie ich nicht werden wollen, nicht abschrecken.  Ich kann mich schon im „Hohen Venn“ entdecken, orientierungslos fluchend im Schneegestöber, nach roten und blauen Softshelljacken Ausschau haltend, in denen Menschen stecken, die über eine bessere Orientierung oder ein besseres GPS-Gerät verfügen als ich.

Heute morgen konsultiere ich wie jedes Mal kurz vorm Aufstehen das von Mark Z. ins Leben gerufene soziale Gesichtsbuch. Ich hoffe auf Nachrichten meiner neun Flugstunden entfernt lebenden Kinder – und werde nicht enttäuscht. Eine dieser Nachrichten enthält einen Link zur Mediathek des „Ersten deutschen Fernsehens“: Ist der Wald Medizin? Ein Film, in dem unser aller Lieblingskanadier mitspielen könnte.

In diesem Film geht es um die therapeutische Wirkung des Waldes. Um die Botenstoffe, die – von den Bäumen in meine Richtung gesandt – mir gute Laune machen. Tatsächlich ertappe ich mich auch bei dieser Wanderung mehrfach dabei, wie ich breit grinsend durch den Wald stapfe. Mich sieht ja niemand.

An dieser Stelle möchte ich mich für meine negative Kritik an meiner Wetter-App entschuldigen. Als ich wach werde, regnet es in Strömen. Fast bin ich versucht, mich im Bett nochmal rumzudrehen, aber die Aussicht auf einen Tag mit schlechtem Gewissen – die Schule ist eine Institution, der Sonn- und Feiertage völlig schnuppe sind, irgendeine Stunde will immer geplant, irgendeine Note will immer vergeben, irgendein Protokoll einer mehr oder weniger sinnlosen Sitzung will immer geschrieben werden – lässt mich nach meinem Lieblingsgerät und der darauf vorhandenen Wetter-App greifen. Die Aussichten für die Eifel sind gar nicht so schlecht, es gibt angeblich Regenpausen. Das wäre doch gelacht! Also los!

Die Busfahrt nach Gemünd dauert fast anderthalb Stunden. Und: Der Bus ist voll! Hä? Bei dem Wetter? Vorwiegend junge Menschen mit Regenjacken und Wollmützen diskutieren über sinnvolle Hosenlängen: „Hätte ich nur meine Dreiviertel-Hose mitgebracht!“ Es werden Erfahrungen ausgetauscht – „Also, ich hab in Köln damit angefangen.“, Prognosen erstellt – „Es soll ja gleich aufhören.“ – und Bananen gegessen. Etwa 500 Meter vor Einruhr wird mir alles klar: Heute ist Rursee-Marathon. Der Straßenrand ist zugeparkt, voll motivierte Menschen mit Sportzeug und Nummern auf Brust und Rücken   marschieren in Richtung Start- und Zielpunkt, der Bus fährt eine andere Haltestelle als üblich an, alle steigen aus. Nur ich nicht. Ein ganzer Bus, nur für mich allein. Ich tue ganz entspannt, aber irgendwie ist das komisch. Eine etwa ein Viertel-Jahrhundert alte Erinnerung wird wach:

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Ich sitze in einem vollen Bus und fahre durch die schon weit fortgeschrittene römische Nacht in Richtung Nonnenpension. Dort wohne und arbeite ich, unter der gestrengen Knute von – ja, tatsächlich – „Schwester Hildegard“. Rom bei Nacht ist etwas Besonderes. Es gibt so viel zu sehen! Es sieht alles so anders aus als tagsüber! Man merkt gar nicht, dass es an der fremden Busroute liegen könnte. Erst, als es draußen immer weniger zu sehen gibt und ich irgendwann alleine im Bus bin, wird mir schlagartig klar: Haltestelle verpasst – oder ganz falscher Bus! Der Fahrer fährt stoisch und ohne mich überhaupt wahrzunehmen dahin, wo er vermutlich immer hinfährt um diese Zeit: ins Busdepot. Das wäre auch in Ordnung, säße ich nicht zunehmend verängstigt – Entführung, Raub, Mord und Totschlag, Schwester Hildegard! – auf einem der hinteren Sitze. Ich will hier raus! Aber wo werde ich sein, wenn ich hier raus bin? Ich fasse mir ein Herz, wanke nach vorne, gebe mich zu erkennen und erwarte im besten Fall ein Anhalten am Straßenrand und ein Öffnen der Bustür. Wo ich hin will? Ich gebe meine Adresse durch. Mamma mia! Komplett andere Gegend! Aber – „Isch-schwöre!“, würden meine Schüler jetzt sagen – kein Problem für den römischen Busfahrer. Er dreht ab und fährt mich nach Hause. Nicht gerade bis vor die Tür der Nonnenpension, aber doch fast. Hinter den Mauern des Vatikans lässt er mich raus und ich brauche nur noch die Via delle Mura Aurelie hoch. Und finde den üblichen Zettel mit der Anweisung des morgendlichen Dienstes auf dem Treppenabsatz. Ein Glück, Schwester Hildegard hat nichts gemerkt. Sie wird mich zwei Wochen später trotzdem „entlassen“. Vielleicht kehre ich als Touristin nochmal zurück. Denn eigentlich ist es das perfekte Quartier.

In Gemünd hält der Bus an der Kirche und ich finde den Nationalpark-Info-Punkt und den Einstieg in den Wanderweg T7 fast auf Anhieb. Der Regen hat aufgehört und wird erst auf den letzten hundert Metern meiner Wanderung wieder einsetzen. Es ist kühl – ich vergesse immer wieder, dass die Eifel ein anderes Klima hat als die Stadt Aachen. Beim nächsten Mal werde ich meine Regenjacke mit dem dazugehörigen Fleece-Futter ausstatten müssen. Vielleicht auch eine warme Hose? Mal sehen.

Der Weg wird in der Beschreibung als „anspruchsvoll“ angegeben. Ist er aber nicht. Vielleicht ist der Aufstieg gemeint, der mich auf dem ersten Kilometer dann doch ins Schwitzen bringt. Aber sonst?

Ich stapfe durch Buchenlaub – wie schön das raschelt! – und ganz schnell, wie immer auf diesen Wanderungen, entspanne ich mich und mit mir entspannt sich meine Blase. Ich muss mal. Und auch, wenn doch vergleichsweise wenig Wandervolk unterwegs ist, muss ich nach einem Pipiplatz suchen. Vielleicht dort, hinter dem Verbotsschild? Von Sprengkörpern wie auf der Dreiborner Höhe ist hier nicht die Rede. Warum ist hier „Vorübergehend gesperrt“? Jagdsaison vielleicht? Könnte man mich für eine Wildsau halten? Schlagartig erschließt sich mir der Sinn der knallbunten Wandererjacken! Meine ist schwarz. Und das ist in manchen Situationen gar nicht so verkehrt.

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Wieder auf dem Weg finde ich eine nasse Bank, auf der ich meinen Proviant auspacke. Der Kaffee ist noch warm, das Croissant nicht mehr knusprig, ein mit seinem Frauchen vorbeilaufender Hund würde trotzdem gerne mal reinbeißen, darf aber nicht, und – was sage ich! – die Wolken lassen ein bisschen blaue Farbe und den ein oder anderen Sonnenstrahl durch – nur ganz kurz. Mir ist das aber egal, ich mag dieses nebelige graue Wetter, der Wald ist bunt genug.

Auf dem Weg finde ein Eichenblatt mit einer gelben Kugel, wenig später eines mit einer braunen. Sind das Gallen?

Als ich noch Biologie studiert habe – lang ist’s her – haben mich Gallen ebenso interessiert wie Moose oder Farne. Leider ist mir mein Interesse an der Sache im Laufe des  Unterrichtens immer mehr abhanden gekommen. Es ist schwer, den desinteressierten Blicken pubertierender „Kinder“ den eigenen Enthusiasmus zum Thema Gallen entgegenzusetzen. Kommt im Lehrplan ohnehin nicht vor.

Ich lese noch einmal nach, was ich eigentlich schon weiß: „Gallen“ – so schreibt der NABU“ –  „sind abnorme Veränderungen von Pflanzenteilen wie Wucherungen, Verdickungen oder blasige Gebilde auf Blättern, an Stängeln oder Wurzeln. ( . . . )Die fleischigen, kugeligen oder zipfeligen Objekte sind das Werk von Bakterien, Fadenwürmern, Milben oder Insektenlarven.“ Hm. Mich wundert, dass der NABU für ein Naturphänomen das Adjektiv „abnorm“ benutzt.

Die Gallen, die ich hier auf den Eichenblättern gefunden habe, stammen vermutlich von der Eichengallwespe. Die Weibchen legen ihre Eier auf der Blattunterseite ab. „Die daraus schlüpfenden Larven benetzen kleine Areale an den Blattrippen mit Speichel. Dieser enthält Wirkstoffe, die das Blatt veranlassen, rund um die Larven Gallen zu bilden. Im Inneren der Behausung entwickelt sich die Nachkommenschaft gut geschützt in einer Kammer.“  Die Abwehrstoffe der Wirtspflanze  sind Gerbstoffe, die von uns Menschen zum Gerben von Leder benutzt werden – auch heutzutage noch. „Aus Pflanzengallen wird auch die wertvolle Eisengallus-Tinte hergestellt. Sie ist absolut lichtecht und wird zum Unterzeichnen von Staatsverträgen benutzt.“ Bestimmt setzt Donald T. seine schwungvolle Unterschrift mit Tinte aus Gallen unter seine Dekrete. Wenn das die Wespen wüssten.

Ich laufe weiter. Ein bisschen bergauf geht es doch noch. Und dann lichtet der Wald sich, ein Gatter kommt in Sicht und eine schmale, asphaltierte Straße führt mich in den Ort „Wolfgarten“, von dem ich – wieso auch? – noch nie gehört habe. Bevor ich dort ankomme, treffe ich auf einen meiner kleinen, an dieser Stelle Realität gewordenen Wunschträume: Ich hätte gerne  🐔 🐔 🐔  Nur drei oder vier, der Eier wegen und wegen der Geräusche, die sie machen. Aber wo will man in der Stadt Hühner halten? Bei meinen Recherchen diesbezüglich stoße ich auf einen bekannten Aachener Bio-Hof. „Rent a Huhn“ ist die Devise. Das wäre ja noch was! Leider erfahre ich, dass die Schlachtung und der Abtransport des Eierproduzenten in den heimischen Suppentopf nach einem Jahr im Mietpreis inbegriffen  ist. Was ist das denn? Nur, weil die armen Viecher während der Mauser nicht regelmäßig legen, scheint der eierliebende Endverbraucher die Geduld zu verlieren und braucht ein neues Huhn. Nee, das ist nichts für mich. Aber vielleicht kann man Menschen finden, die mit mir eine Wiese pachten, um eine ähnliche Hühneridylle wie diese hier zu schaffen:

Der ganze Ort Wolfgarten ist eine einzige Idylle.

Hier ist alles so sauber und proper und es gibt Pflastersteine und Wegkreuze und liebevoll gestaltete Vorgärten und Fachwerk und Bruchsteinhäuser. Ich gerate innerlich ins Schwärmen und komme im nächsten Waldstück auf die Kehrseite der Idylle. Nichts ist, wie es scheint. Hohlköpfe gibt es überall, und hier machen sie sich breit:

Zum Glück lassen die Schilder sich leicht abkratzen. Mich beschleicht ein mulmiges Gefühl. Aber der Wald ist viel zu schön, um sich schlecht zu fühlen.

Und Regentropfen fallen erst auf der allerletzten Etappe, aber da retten mich der inzwischen geöffnete Info-Punkt mit seiner freundlichen Informantin und den sehr hübschen dort käuflich zu erwerbenden weihnachtlichen Wald-Dekorationsstückchen. Ich kann nicht widerstehen. Die Zivilisation hat mich wieder.