Allgemein · Hiking, Wandern, Unterwegs sein

Wanderung Nummer 11: Die Wasserlandroute

Neuer Bus, neues Glück: Der Winterbus fährt später ab. Also kann ich länger schlafen, muss aber ein bisschen schneller oder kürzer wandern, damit ich nicht im dunklen Wald verloren gehe.

Ich entscheide mich für schneller: Für heute habe ich mir die „Wasserlandroute“ ausgesucht, mutige 16 Kilometer lang, Startpunkt in Einruhr. Der wahre Grund für meine Entscheidung liegt im Wetterbericht: Es sollen erste Schneeflocken fallen. Und das tun sie auch. Aber natürlich „oben“, als der Bus hinter Roetgen um „Fringshaus“ herumkurvt. Es sind noch wenige Flöckchen, aber die Waldwege bekommen einen silbrig-weißen Schimmer. Wie schön!

Unten im Tal fällt – logisch – keine einzige Flocke.  Der Startpunkt der  „Wasserlandroute“ liegt zwischen Heilsteinhaus und Ortseingang und führt mich rechts einen Weg hoch, der mit einem Symbol beschildert ist, das ich nur an wenigen Stellen aus den Augen verlieren werde.

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Das erste Stück kommt mir bekannt vor, aber was macht das schon.

Ganz erstaunt stehe ich irgendwann an der Staumauer der Urfttalsperre. War ich hier nicht auch schon mal? Aber den Weg auf und über die Mauer habe ich „damals“ nicht entdeckt. Nur den Ausblick. Was für ein gigantisches Bauwerk!

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Auf der rechten Seite sehen See und Ufer seltsam tot aus. Unheimlich. Ein Mondkrater, gefüllt mit Wasser.

Ich gehe über die Mauer und gucke einfach nach links.

Rund um die Staumauer ist richtig was los! Drei bis vier Autos stehen auf einem kleinen Parkplatz.  Jetzt verstehe ich, warum in der Routenbeschreibung von „zahlreichen Einkehrmöglichkeiten“ die Rede war: Es gibt ein Ausflugslokal und Toiletten. Ich erwische eine Frau vor mir dabei, wie sie unter der 50-Cent-Hürde hindurchkrabbelt. In Ermangelung eines 50-Cent-Stückes krabbele ich hinterher. Die anderen Ausflügler sitzen drinnen.

Am Ende der Staumauerstraße bin ich wieder alleine und treffe auf ein paar Hinweisschilder in die nähere und fernere Umgebung:

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Als echtes Winterkind entscheide ich mich für den Weg  in Richtung „Nordost-Grönland-Nationalpark„. Einmal nach Grönland! Das ist mein Traum – spätestens seitdem ich es überflogen habe.

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Der Yellowstone ist mir eindeutig zu weit. Und das erste Wegstück hin zum  „Bayerischen Wald“ habe ich doch gerade hinter mir. Also los!

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Relativ unbehelligt und einsam wandere ich weiter. Einmal kommt mir ein Trupp Niederländer quasi direkt aus Grönland entgegen, dann wird es wieder still und ich treffe niemanden mehr. Es beginnt zu regnen, keine Flocken, sondern Tropfen, aber die Kapuze reicht, richtig nass werde ich nicht.  Die Äste und Zweige aber schon:

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Es ist grau und still, bis auf das leise Tröpfeln des Regens auf dem Blätterweg.

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Die „Wasserlandroute“ bleibt ihrem Namen treu: Links ruht der See. Still, aber nicht starr.

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Die Birken erinnern mich an meine Schwedenurlaube. Fast erwarte ich einen Biber. Der ein oder andere soll sich in dieser Gegend wieder wohl fühlen, so lese ich später in den mir vom Heilsteinhaus überlassenen Routenbeschreibungen. Es gab einen Schwedensommer, in dem wir nächtelang auf der Lauer lagen, um den Biber zu entdecken, der die Birken am  gegenüberliegenden Ufer zu Kleinholz verarbeitete. Einmal haben wir ihn durch den See schwimmen sehen. Durch den Björsjö! Lange her, aber immer noch präsent.

Für ein paar Minuten sehe ich am Himmel blaue Flecken. Ich halte an einer der zahlreichen Bänke und picknicke im Stehen. Zum Sitzen ist es zu nass. Dann laufe ich weiter und lande in Rurberg.

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Der Himmel wird erst blau und dann dunkler und dunkler. Optimistisch wandere ich weiter. Der Weg führt hügelan und ich bin wieder in einem Waldstück. Und dann kommt „mein“ Wetter: Der dunkle Himmel öffnet sich und jetzt graupelt es, was das Zeug hält! Der Weg wird weiß. Jedenfalls ein bisschen.

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Wer jauchzt und jubelt denn da so laut??? Ich stelle mich irgendwo unter einen Baum und versuche, in einer Hand den Regenschirm, Graupelfotos zu machen. Wackelig, aber eindeutig.

Dann höre ich ein anderes Geräusch. War das ein  Knall? Tatsächlich: Es donnert. Wie schnell können Gefühle kippen? Ich liebe Gewitter. Aber doch nicht draußen, unter Eichen, vor denen man weichen und unter Buchen, die man nicht suchen soll! Schnell weg hier! Der Weg ist rutschig. Ich komme an das einzige Wegstückchen, bei dem ein Stock in der Hand wichtig wäre und beschwöre mich: Du wirst dir hier kein Bein brechen! Geschafft. Unten. Seltsamerweise stehe ich an einer Lorbeerhecke. An einem verwunschenen Gitter.

IMG_2005Kurz darauf treffe ich wieder auf den See. Kein Donnerrollen, kein Graupelschauern mehr. Nur noch leises Plätschern. Alles ganz friedlich.

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Einruhr kommt in Sicht. Und ganz zum Schluss ein roter Vorbote.

Ich habe mir einen Kakao mit echter Sahne verdient.

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